Wie man Freunde gewinnt – Von der Güte

26. Dezember 2020
Quelle: Distrikt Österreich

Ja, ein kleines Kind kommt in die Welt und bringt uns wieder Frieden und Freude. An uns ist es nun, dieses Licht hinauszutragen und alles zu erhellen. In jeden erreichbaren Winkel zu gehen und die unglückliche Welt für Gottes Seligkeit wiederzugewinnen. Wie könnte uns das besser gelingen, als mit dem schönen Apostolat der Güte.

Gütige Gedanken haben eine besondere Kraft, das Licht des verborgenen Gottes über uns kommen zu lassen. Aber was ist denn eigentlich „Güte“?

Güte bezeichnet das Überströmen des eigenen Ichs auf andere. Das heißt, wir setzen andere an die Stelle unseres Ichs und behandeln sie so, wie wir selbst behandelt werden wollen. Unsere Selbstliebe wird zur Selbstlosigkeit, wodurch wir Gott nachahmen und ihm immer ähnlicher werden.

Gottes Gerechtigkeit verbessert stetig unsere Fehlurteile; sein Erbarmen tröstet unsere Mitmenschen, die unter unserer Härte leiden. Seine Wahrheit unterbindet die Folgen unserer Unaufrichtigkeit, seine Allwissenheit gewährt unserer Unwissenheit Erfolge, als wäre sie Erkenntnis. Seine Vollkommenheit kommt beständig unseren Unvollkommenheiten zu Hilfe. Die Güte ist unsere Nachahmung dieser Tätigkeiten Gottes.

Welche Wirkung hat Güte auf meinen Nächsten?

  • Gütige Worte führen verirrte Seelen zu Gott zurück, indem sie: Herzen öffnen, die hartnäckig verschlossen und verbittert sind; Geister aufhellen, die sich mit Absicht ins Dunkel zurückgezogen haben und Verzweifelten Hoffnung schenken, die sich schon aufgegeben hatten.
  • Gütige Worte lassen Verdüsterte lächeln, Zornige sanft werden, stillen das Stöhnen Kranker und lenken die Menschen geschickt und charmant von der Sünde ab.
  • Gütige Taten bringen Freude und machen das Leben erträglicher, sowohl für den, der sie empfängt, als auch für den, der sie vollbringt.
  • Güte hat Vorbildwirkung und ist ansteckend: Sie veranlasst den Empfangenden später auch selbst gütige Taten zu vollbringen.
  • Beharrliche Güte hat großen Einfluss auf die Charakterentwicklung: Tugenden erwachen in einem anderen und erdrosseln jahrelange schlechte Gewohnheiten nur durch Akte der Güte. Sie spendet Mut und Durchhaltevermögen z. B. bei schlechten Gewohnheiten (Schlechte Laune, Erschöpfung, Entmutigung, stumpfe Gleichgültigkeit, Selbsttäuschung, Enttäuschung).

Was bringt mir die Güte?

  • Die Güte hilft mir, Herr über meine innerste Welt zu werden. Wir bemühen uns, unsere Gedanken im Zaum zu halten. Wer seine Gedanken unter Kontrolle hat, beherrscht sein eigenes Ich und strebt nach Vollkommenheit.
  • Gütige Taten reißen uns aus dem Strudel des Alltags und helfen uns das wahre Ziel nicht zu vergessen.
  • Durch gütige Taten erweisen wir Gott Ehre und retten so unsere Seele, aber auch fremde Seelen.
  • Ist es nicht ein schöner und erbauender Gedanke, zu wissen, dass wegen meiner gütigen Tat heute eine Seele eine Sünde unterlassen hat und zum Guten angeleitet wurde?

Was bringt die Güte für die Welt?

  • Gott will die Welt glücklich sehen, dasselbe will die Güte. Er gab der Welt die Fähigkeit, glücklich zu sein. Die Güte macht zum großen Teil diese Fähigkeit aus.
  • Die Güte hat mehr Sünder bekehrt, als Eifer oder Beredsamkeit oder Gelehrsamkeit, weil diese oft unangenehm bzw. aufdringlich auf andere wirken. Die Güte arbeitet mit Geduld und Wohlwollen.
  • Sie gibt Kraft für noch besseres Tun und öffnet der Gnade die Pforte.

Was kann jeder einzelne von uns tun?

Achtet auf den Ton eurer Stimme, verschenkt mitfühlende Blicke und Worte im Übermaß. Ertragt Rücksichtslosigkeiten, Demütigungen und provozierendes Verhalten geduldig und langmütig. Seid liebenswürdig und fällt keine Urteile über andere. Ahmt das Erbarmen unseres Schöpfers mit uns Menschen nach. Dadurch wird vielleicht eine Sünde im Keim erstickt, ein Streit unterbunden, denn es gibt selten ein Herz, das bei guten Worten hart bleibt und nicht verzeiht. Der hl. Petrus Damiani sagte einst: „Ich habe es noch nie bereut gütig oder geduldig gewesen zu sein, aber ich habe es schon oft bereut hart und jähzornig gewesen zu sein!“

Wir sollen nicht blind werden für das Böse, aber über ihm stehen und darauf achten, dass wir nicht selbst jenen Fehler begehen, welchen wir beim Anderen tadeln. Güte zerstreut die gefährlichen Wolken von Düsterkeit und Trauer. Sie kommt dem Bösen zuvor. Manchmal braucht die Wirkung der guten Worte Zeit, aber oft erweichen sie verhärtete Herzen schnell und nachhaltig.

Versucht auf die natürliche Neigung zur Eigenliebe zu verzichten, denn sie trübt unseren Blick für das Wesentliche. Wechselt eure Perspektive und schaut doch mal auf die Welt mit den Augen anderer! Nur so könnt ihr die Bedürfnisse des anderen erkennen. Die Güte überwacht unsere Gedanken und Worte, weil wir uns durch sie in Überlegung, Selbstzucht und Selbstüberwindung üben. Sie macht uns nachdenklich und rücksichtsvoll. Gütige Gedanken sind die Haupthilfe zur vollständigen Beherrschung der Zunge. 

Ein gütiger Mensch ist heiter, voll Teilnahme, voll Lebensmut! Er hält den Kopf hoch, aber nicht abgehoben. Man wird auf eine ganz besondere Weise auf die Wege der reinen, uneigennützigen Gottesliebe vorbereitet. Güte, man mag es kaum glauben, macht einen beträchtlichen Teil des geistlichen Lebens aus, denn durch die Güte haben wir besonderen Anteil am Geiste Jesu. Güte ist die tiefste Auffassung des Lebens, sie kommt der Auffassung Gottes am nächsten. Wäre Gott Mensch geworden, wenn er nicht die Güte wäre? Wäre er für uns am Kreuz gestorben, wenn er nicht die Güte wäre?

Welche Unsummen von Bitterkeit tragen wir doch in uns. Was soll damit werden? In den Himmel können wir sie nicht mitnehmen, durch das Sterben allein werden wir sie nicht los. Wenn wir gütige Gedanken hegen, üben wir uns für den Himmel ein, wir verdienen uns den Himmel, denn wir ahmen Züge des göttlichen Wesens nach. Alles Hartherzige und Grimmige werden wir wohl oder übel im Fegefeuer zurücklassen müssen.

Überdies erfordert Güte nur wenig Opfer, oftmals gar keines. Es kostet uns so wenig und bringt doch so vieles. Möglichkeiten bieten sich uns mehrmals täglich, aber oft beeilen wir uns nicht, sie zu ergreifen.

Der Lohn, den ihr daraus empfangt, wird so viel schöner sein, als die Anstrengungen, die nötig waren. Ihr werdet innere Freude empfinden, eine positive Atmosphäre für große Dinge, für Gott schaffen, denn Güte macht uns Gott ähnlich. Die christliche Güte, setzt so viel Gnade voraus, dass sie zur Demutsübung wird.

Gütige Menschen sind anziehend, es verleiht eine gewisse Besinnlichkeit und Anziehungskraft. Stellen wir uns eine Welt vor, in der wir gewohnheitsmäßig alles was wir sähen und hörten, gut auslegten, gewohnheitsmäßig gütige Gedanken über jedermann hätten. Es würde unserem Leben nicht nur ein anderes Aussehen, es würde ihm neue Tiefen geben.

Wie viel verdanken wir in unserem Leben gütigen Taten: Sie sind unzählbar. Sind wir da nicht verpflichtet, soweit irgend möglich jedermann uns in gleich gesegneter Weise zum Schuldner zu machen?

Unterschätzt niemals die Gewalt der Güte und lasst sie jedem angedeihen, der sie besonders in dieser herausfordernden Zeit nötig hat.

Quelle: Faber, Frederick William: Von der Güte. Auflage: 5000. Regensburg: Josef Habbel Verlag. Zusammengefasst von Verena Raich.