Der hl. Petrus Canisius (1521-1597)

25. April 2022
Quelle: Distrikt Österreich

Im Vorjahr haben wir den 500. Geburtstag von Petrus Canisius gefeiert. Dieser Heilige, dessen Gedenktag wir alljährlich am 27. April begehen, war eine wahrhaft herausragende Persönlichkeit der katholischen Kirche, ganz besonders für die deutschsprachigen Länder und das in einer für die Kirche äußerst schwierigen Zeit.  Grund genug, ihn als Ersten für unsere neue Reihe „Der Heilige des Monats“ zu wählen.

Seit dem Jahr 1925 wird er zu den Kirchenlehrern gezählt, er trägt die Titel  „Retter der Kirche“ und der „zweite Apostel Deutschlands“ (nach dem hl. Bonifatius) und doch ist er unter den Gläubigen unserer Zeit zu einem Unbekannten geworden, die meisten Katholiken heutzutage wissen nicht mehr, was wir, die wir heute leben, diesem Mann verdanken. 

Von Gott in eine schwierige Zeit gesandt

Wer aber war Petrus Canisius? Geboren wurde er am 8. Mai 1521, ein schicksalsträchtiges Datum, denn es war auch der Tag, an dem die Reichsacht gegen Martin Luther verhängt wurde (eine schwere Form der Strafe, von weltlichen Regenten ausgesprochen) nach dessen endgültigem Bruch mit Rom. Ein gewaltiger Glaubenskampf tobte in Europa zwischen Katholiken und Protestanten zu diesem Zeitpunkt und genauso wenig wie die große Glaubenskrise in unserer Zeit, war dieser Konflikt zutage getreten, ohne seine Schatten voraus geworfen zu haben. Der Zeitgeist des Humanismus und der Renaissance hatten das Irdische in den Vordergrund gerückt und die Verweltlichung drang bis in die höchsten Kreise der Kirche. Die Geistlichkeit schlief, selbst viele Priester wussten kaum mehr Bescheid über den Glauben, die Kirchen standen leer, die Sitten verwilderten. Der Ruf nach einer Reform der Kirche ertönte immer lauter. Da war es Martin Luther, der die Gunst der Stunde für sich und seine Ideen zu nutzen wusste. Gott aber griff ein, um dem Zerstörungswerk Einhalt zu gebieten: Das Kind, das an diesem 8. Mai 1521 das Licht der Welt erblickte, sollte zu einem entscheidenden Träger der Gegenreformation werden.

Der Vater, Jakob Kanis, war ein reicher Kaufmann und Bürgermeister der Stadt Nymwegen (Holland), Peter war sein ältester Sohn. Früh starb die Mutter und mit 15 Jahren wurde der äußerst begabte Junge nach Köln geschickt, um dort zu studieren. Hier nahm sich ein junger Priester namens Nikolaus van Esche seiner an und wurde ein entscheidender Ratgeber und Wegweiser für den Jugendlichen. Durch ihn lernte er die Spiritualität der Kartäuser kennen, v.a. die Herz-Jesu-Mystik. Peter Kanis studierte Rechtswissenschaften in Löwen, bekam die philosophische Doktorwürde und begann das Studium der Theologie, zu einem Zeitpunkt, wo er sich über seine Berufung noch überhaupt nicht im Klaren war. In Mainz lernte er Peter Faber, einen der ersten Gefährten des hl. Ignatius von Loyola kennen, dieser ließ ihn die 30tägigen Exerzitien des hl. Ignatius machen. Die Exerzititen wurden zu einem wegweisenden Einschnitt in seinem Leben, an einen Freund schrieb er damals: „Es lässt sich kaum sagen, wie sehr mir durch diese geistlichen Übungen Herz und Sinn verwandelt wurden.“ Er entschloss sich, in den neugegründeten Jesuitenorden einzutreten und gründete in Köln mit einigen anderen jungen Männern die erste Ordensniederlassung der Gesellschaft Jesu in Deutschland.

Berufung eines Apostels

Im Juli 1546 wurde er zum Priester geweiht. Sein außerordentliches Predigttalent hatte sich schon in seiner Zeit als Diakon gezeigt, nun begann er auch seine schriftstellerische Tätigkeit. Nur ein Jahr später reiste er im Auftrag des Kardinals von Augsburg nach Trient, um an den Verhandlungen des Konzils teilzunehmen und arbeitete an der Vorbereitung der dogmatischen Dekrete mit. Als das Konzil auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, rief ihn der hl. Ignatius nach Rom, wo er zum zweiten Mal die 30tägigen Exerzitien machte. Der hl. Ignatius schickte Petrus in ein Spital, wo er für die Pflege von 90 Betten verantwortlich war, die teilweise mit zwei Mann belegt waren. Die Toten musste er eigenhändig begraben - gibt es eine bessere Methode, um einem Menschen Demut zu lehren? Im September 1549 legte er die feierlichen Gelübde in die Hände des hl. Ignatius ab, der ihn bald zurück nach Deutschland schickte, nachdem er die theologische Doktorwürde erworben hatte. Bei einem Abschiedsbesuch an den Apostelgräbern vernahm Petrus Canisius (die latinisierte Form von Peter Kanis) die Stimme Unseres Herrn Jesus Christus, Der ihn beauftragte, zu einem Apostel für Deutschland zu werden.

Als Petrus Canisisus vom hl. Ignatius als Professor an die Universtät Ingolstadt in Bayern geschickt wurde, schreibt er nach seiner Ankunft an seinen Ordensgründer: „An dieser Universität besteht fast die Abmachung, dass Studenten sich nicht bemühen brauchen, die Wissenschaften zu studieren, am allerwenigsten heilige Wissenschaften.“ Und weiter: “Oh, wie selten besucht ein Mann die Kirche und die hl. Messe… Selbst wenn wir ihnen Geld gäben, wären sie wohl kaum dazu zu bringen, zum hl. Opfer zu kommen.“ Nicht anders als hier, in einem der früheren Bollwerke des katholischen Glaubens, war es in anderen deutschen Städten, in denen Canisius später Kollegien gründete. Ihm war es klar, dass Predigten und Vorlesungen nicht ausreichten, er lud die Studenten in seine Wohnung, führte lange Gespräche und unterrichtete sie. Und langsam zeigte seine Arbeit Früchte.

Im Missionsgebiet von Wien und Niederösterreich

Im Jahr 1552 schickte ihn der hl. Ignatius nach Wien, wo die Lage noch trauriger war als in Bayern. Nur weniger als zehn Prozent der Bevölkerung waren noch katholisch. Die Protestanten fanden beim Adel ihre beste Stütze, dessen Einfluss aber war massgeblich für die einfache Bevölkerung. Die Theologische Hochschule hatte in zwanzig Jahren kaum einen Priester herangebildet. In Stadt und Land war fast das gesamte religiöse Leben erloschen. Auf der Kanzel des Stephansdoms sprach ein abgefallener Kirchenmann gegen katholische Grundsätze und ermunterte die Mönche, ihre Klöster zu verlassen und so wie Luther zu heiraten.

Canisius begann geduldig sein Aufbauwerk mit der Bildung und Erziehung der studierenden Jugend. Unermüdlich führte er Gespräche, hielt Vorlesungen und predigte - zunächst nur vor fünf Gläubigen, aber bald wurden es mehr und es dauerte nicht lange, da reichte eine Kirche nicht mehr aus und er musste im Stephansdom predigen, weil so viele ihn hören wollten. Als die Pest in Wien wütete und Tausende starben, war er mit seinen Mitbrüdern Tag und Nacht unterwegs, um Medikamente, Kleidung und Essen zu den Bedürftigen zu bringen, v.a. aber um ihnen die Sakramente zu spenden. Die Not der Menschen vor Augen zog er unverdrossen und furchtlos durch ganz Niederösterreich, wo es unzählige verwaiste Pfarren gab. Er trotzte der Kälte des Winters und dem Spott der Abgefallenen. Als man ihn zum Bischof machen wollte, lehnte er entschieden ab. Er wollte keine kirchliche Karriere machen, er wollte Aufbauarbeit an der Basis leisten, auch sein Ordensgeneral unterstützte ihn in dieser Auffassung.

Unermüdliche Reisetätigkeit in Europa

Nach vier Jahren unermüdlicher Arbeit in Wien schickte ihn sein Generaloberer nach Prag. Es folgten unzählige weitere Orte seines Wirkens in Österreich, Deutschland, Polen, Böhmen und der Schweiz. Er gründete Ordensniederlassungen, lehrte an den Universitäten, predigte, ermahnte kirchliche Würdenträger und Fürsten, um sie an ihre Verantwortung, die sie in Kirche und Staat trugen, zu erinnern und unterwies Kinder und Jugendliche im Glauben. Dreizehn Jahre lang war er Provinzial seines Ordens. Als das Konzil von Trient 1562 fortgesetzt wurde, wurde er zum Vermittler und Vertrauensmann des Papstes. Neben all dem verfasste er unzählige Schriften, durch 50 Jahre hindurch entwickelte er eine reiche und auch fruchtbare schriftstellerische Tätigkeit. Die deutschsprachigen Länder waren zu seiner Zeit überschwemmt mit Schriften, die das Katholische völlig entstellten und die Emotionen gegen den Katholizismus schürten. Canisius blieb sachlich und höflich in seinen Veröffentlichungen, die reine Wahrheit sollte die Häretiker überzeugen. Der Papst, der Kaiser, geistliche und weltliche Fürsten, Politiker und Universitäten riefen ihn, wenn sie einen klugen Berater oder einen geschickten Vermittler brauchten.

Das Testament des Heiligen

Sein größtes Geschenk an alle nachfolgenden Generationen waren seine drei Katechismen, von denen der letzte die am meisten verbreitete Form werden sollte. Noch vor seinem Tod wurde er zweihundertmal aufgelegt und in 15 europäische Sprachen übersetzt. Noch bis in die Sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde er in den Schulen auch in unserem Land verwendet. Man kann davon ausgehen, dass die Erhaltung des Glaubens in Österreich, Böhmen, Schweiz und Süddeutschland diesem Katechismus zu verdanken ist. (Anm: Wir veröffentlichen zur Zeit diesen Katechismus auf Youtube: „Katechismus der katholischen Religion“ und Telegram).

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Petrus Canisius in der Schweiz. Sein viel beanspruchter Körper litt unter der Last des Alters, jedoch wenn seine Kräfte für die Seelsorge fehlten, machte er sich als Hausgehilfe nützlich und spülte das Geschirr oder fegte den Boden. Petrus Canisius starb am 21. Dezember 1597 in Fribourg, Schweiz. Seine Seligsprechung erfolgt im Jahr 1864, zur Ehre der Altäre wurde er 1925 erhoben.

Wie anders als durch seine innige Gottverbundenheit lässt sich sein unglaubliches und übermenschliches Arbeitspensum erklären, noch dazu auf dem Hintergrund von unzähligen Reisen quer durch Europa unter den damals mühsamsten Reisebedingungen. Das Gebet, seit seinen Studententagen gepflegt, trug ihn durch sein mühevolles Leben, die Gnade Gottes befähigte ihn zu seinem ungeheuerlichen Arbeitspensum. Nichts, rein gar nichts, vermochte ihn aus seiner inneren Sammlung, aus seiner Hingabe an Gott, zu reißen. Seine Bescheidenheit und Einfachheit ließ nicht ahnen, wie überragend seine innere Größe wirklich war und zu welch bedeutendem Werkzeug Gott ihn erwählt hatte.  

Wenn man die Situaton der katholischen Kirche im 16. Jahrhundert betrachtet, so kommen natürlich unweigerlich Assoziationen zur heutigen Zeit. Die Geschichte wiederholt sich und wie immer erscheint sie mit einem anderen Gesicht. War es damals die Reformation, die die Kirche beinahe zerstörte, so ist es heute das Neuheidentum, die dieses Werk vollstreckt. Aber wir haben die Zusage Unseres Herrn Jesus Christus, dass die heilige Kirche nicht zerstört werden kann. So wie damals wird Er auch jetzt wieder eingreifen und Heilige zu der von Ihm bestimmten Zeit senden. Für den einzelnen Katholiken damals muss die Lage der Kirche aus menschlicher Sicht gesehen aussichtlos gewesen sein und auch der große Heilige hat wohl selbst nicht so viele Früchte seiner Arbeit erlebt. Und doch erstand die Kirche neu – auch durch ihn - und war lebendiger und ihr Wirken segensreicher als zuvor. Wir leben noch mitten im Umbruch, aber vielleicht sind die zukünftigen Heiligen sogar schon unsere Zeitgenossen?  Dafür zu beten könnte sich lohnen und der hl. Petrus Canisius ist sicher ein großer Fürsprecher in diesem Anliegen!

Quellen: "Helden des Christentums" von Konrad Kirch und Adolf Rodewyk, "Petrus Canisius – Retter der Kirche" von Paul Kovarik  

Hören Sie hier die Predigt zum 500. Geburtstag im Jahre 2021 von P. Johannes Regele.